10.12.2012 – Klamottentausch im Gasthof

10.12.2012 – Sächsische Zeitung Kamenz

Klamottentausch im Gasthof

Von Manuela Reuss

Zwei Schwestern aus Weißig organisieren eine neuartige Party. Und sortieren deshalb ihre Schränke.

Was haben die Weltstädte New York, Amsterdam und Berlin mit dem kleinen beschaulichen Ort Weißig gemeinsam? Den neuesten Trend: Klamotten-Tausch-Rausch-Partys. Die Weißigerin Anna Appenheimer kennt diese Tausch-Feten aus ihrem neuen Zuhause in Amsterdam. Ihre Schwester Lydia aus Berlin. “Ich war auf so einer Party, das war richtig witzig”, schwärmt Anna. Organisiert wurde die Aktion von ihren amerikanischen Freunden in Amsterdam. Kein Wunder: Auch dieser Trend schwappt über’n großen Teich nach Europa.

Weil ihr die Party-Idee gefiel, kam der jungen Frau der Gedanke, so etwas auch zu Hause in Weißig zu veranstalten. Schließlich haben Anna und Lydia auch noch viele Sachen zu Hause bei ihren Eltern. “Und es gibt ja immer Leute, die sagen, dass in Weißig nicht viel los ist.” Das soll sich am 28. Dezember ändern. 100 Freundinnen und Bekannte hat die Wahl-Amsterdamerin für diesen Tag ab 19 Uhr in den elterlichen Gasthof “Zur Einkehr” eingeladen. Über Facebook. Das soziale Netzwerk sei ideal dafür. Denn damit erreiche sie jede inzwischen noch so weit entfernt lebende Freundin. “Ich habe für die erste Tausch-Fete nur Mädels angeschrieben”, sagt Anna Appenheimer. “Weihnachten kommen fast alle nach Hause.” Der Zeitpunkt für eine solche Party sei also ideal. Neben dem Kleider-Austausch ist der Treff zudem eine gute Möglichkeit sich wiederzusehen, gemütlich zusammenzusitzen und Neuigkeiten auszutauschen. Die Weißigerin ist schon neugierig, wie die Party angenommen wird. “Ich erwarte erst mal nicht zu viel.” 20 Mädels hätten via Facebook ihre Teilnahme bereits zugesagt, etwa 30 sind noch am Überlegen. Noch sei ja auch ein bisschen Zeit. “Einige müssen sich vielleicht auch erst an den Gedanken gewöhnen. Es ist ja etwas Neues.” Anna ist jedenfalls zuversichtlich. Schließlich ist die Idee hinter der Aktion nachhaltig. Sie mag die Idee der Wiederverwertung. Ausrangierte oder ungeliebte Sachen wandern nicht in den Altkleidersack, sondern bereiten jemandem anders noch eine Freude. Mitbringen können die Teilnehmerinnen übrigens nicht nur Klamotten, sondern auch Handtaschen, Schuhe, Schmuck, Make-up, Gürtel. Es sei auch nicht verboten, mehr mitzunehmen als mitzubringen. Schließlich sei die Aktion kein Eins-zu-Eins-Tausch.

Auch wenn es manche Freundin nicht glauben will: In den meisten Schränken lagern Stücke, die darauf warten, getauscht zu werden. “Jeder macht mal einen Fehlkauf”, sagt Anna. Sie besitzt beispielsweise Schuhe mit zehn Zentimeter Absatz. “Ich hab mich inzwischen damit abgefunden, dass ich in denen werde nie laufen können.”

Anna sortiert bereits seit Wochen fleißig. “Mein Haufen wird immer größer”, erzählt sie. Dabei hat sie Mamas Worte im Ohr: “Bringt nicht so viel mit, ihr habt auch noch bei uns jede Menge Sachen im Schrank”, habe sie gemahnt. Die Aktion wird also möglicherweise nicht der einzige Tausch-Rausch in Weißig bleiben.

Klamotten-Tausch-Rausch

Wird das noch gebraucht? Anna (l.) und Lydia Appenheimer und Freundin Anett Grellmann (r.) durchforsten derzeit ihre Kleiderschränke. Worauf sie verzichten können, nehmen sie mit zur Tausch- Party. Foto: privat

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